Praxistest Vanguard VEO2 265CB Stativ

Seit fast zwei Jahren habe ich das Vanguard VEO 2 265CB Stativ nun schon in einem Stativtest im Einsatz. Zeit also, über diesen Langzeittest zu berichten und das Stativ hier genauer vorzustellen und in diesem Praxistest zu beurteilen.

Ausstattung | Traglast | Handhabung | Stabilität | Fazit | Technische Daten

Vanguard VEO2 265CB
Vanguard VEO2 265CB


Ausstattung

Das Vanguard VEO 2 265CB ist ein kleines, leichtes Reisestativ aus Carbonfaser, das auch für den kleinen Geldbeutel geeignet ist. Mit einer Länge von 41,5 cm im zusammen geklappten Zustand ist es auch gut für Flugreisen geeignet, wenn es in das Bordgepäck mit international genormtem IATA-Standardmaß (20 x 40 x 55 cm) passen soll. Auch das Gewicht von 1,32 kg strapaziert die Gewichtsgrenzen vieler Fluggesellschaften vergleichsweise wenig. Ich hatte es auf Reisen mit Auto, Bahn, Bus und Flugzeug u. a. in Portugal, Marokko, auf Rügen, Sylt und Amrum, in Strasbourg, Konstanz und Krakau im Einsatz. Die 5 Beinsegmente erlauben eine maximale Arbeitshöhe von etwa 150 cm und eine minimale Arbeitshöhe von 18,5 cm. Geliefert wird es mit einer langen und einer kurzen Mittelsäule, einem Kugelkopf und einer Transporttasche aktuell zum Straßenpreis von ca. 167 €. Der enthaltene Kugelkopf enthält sogar eine ArcaSwiss-kompatible Schnellwechselplatte. Ein echtes Schnäppchen also für ein kleines Reisestativ aus Carbon.

Vanguard VEO2 265CB am Strand in PortugalKarl H. Warkentin | STATIV LEXIKON
Vanguard VEO2 265CB am Alentejo-Strand in Portugal mit der unten beschriebenen Kamera-Objektiv-Kombination, GPS-Empfänger und 150-mm-Filtervorsatz von Haida.

 


Traglast

Da stellt sich die Frage, was man von einem derart günstigen und leichten Stativ erwarten kann. Ich habe es meist mit einer Nikon D750 mit Batteriegriff MB-D16 und dem Zoomobjektiv AF-S Nikkor 24 – 120 mm / 1:4.0 G ED VR sowie montiertem GPS-Empfänger N3-B von Solmeta verwendet, die Kombination hat ein Gesamtgewicht von ca. 1,9 kg. Der Stativhersteller gibt für das verwendete Stativ eine maximale Traglast von 5,0 kg an. Aber diese Angaben sind ja oft wie die Verbrauchsangaben der Autohersteller, sie gelten nur bergab bei Rückenwind. So würde ich auch hier die maximale Last für das Stativ nicht gerne ausnutzen müssen, denn das Stativ kommt schon mit den knapp zwei Kilogramm in seinen Grenzbereich.

 


Handhabung

Um das kurze Packmaß von 41,5 cm zu erreichen, werden nicht die Beine des Vanguard VEO 2 265CB wie bei vielen anderen Reisestativen auch, nach oben zusammen geklappt, sondern die voll ausgezogene Mittesäule nach unten geklappt. So bleibt das Stativ im zusammen geklappten Zustand sehr schlank und gleichzeitig sehr kurz. Die 5 Beinsegmente werden mit Schraubgriffen zuverlässig und schnell fixiert. Auch die Mittelsäule wird, nachdem sie hoch geklappt worden ist, mit einer Feststellschrabe fixiert. Der Stativkopf besitzt eine Einstellschraube zur Justierung der Friktion, so daß Kameras mit längeren Objektiven nicht gleich nach vorn kippen, sobald man die Fixierung des Kugelkopfes löst. Eine weitere Feststellschraube erlaubt das Drehen des Kugelkopfes, ohne die Kugel insgesamt lösen zu müssen. Das entspricht im Wesentlichen der Ausstattung auch deutlich teurerer Kugelköpfe anderer Hersteller und funktioniert problemlos.

Der Klappmechanismus des Vanguard VEO2 265CBKarl H. Warkentin | STATIV LEXIKON
Der Klappmechanismus des Vanguard VEO2 265CB

Erfreulich fand ich, daß auch bei einem Stativ dieser Preisklasse der Kugelkopf mit einer Libelle (Wasserwaage) ausgestattet ist. Weniger erfreulich fand ich allerdings, daß man sie nicht sehen kann, sobald die Kamera auf dem Stativkopf montiert ist. Man könnte zwar die Kamera um 90º drehen, dann sieht man die Libelle auch nicht optimal, kommt aber nicht sehr gut an die Schraube zum Fixieren der Kamera auf dem Stativkopf heran.

Karl H. Warkentin | STATIV LEXIKON
Insbesondere bei der Verwendung größerer DSLR ist die Libelle schlecht einsehbar

Obwohl Carbon bei Kälte ja wesentlich angenehmer anzufassen ist, als Aluminium, ist das Stativ trotzdem an einem der drei Beine an dem oberen Beinsegment mit Schaumgummi gepolstert, so daß man das Stativ auch im  Winter ohne Tragetasche angenehm tragen kann.

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Auch der Knopf zum Fixieren der Schnellwechselplatte am Stativkopf ist nicht sehr gut zu erreichen

 


Stabilität

In meinen Fotokursen und auf Fotoreisen rate ich den Teilnehmern immer dazu, bei nicht sehr stabilen Stativen die Mittelsäule nicht auszuziehen, um dadurch die Stabilität zu verbessern. An diesen Rat habe ich mich beim Verwenden des Vanguard VEO 2 265CB auch schnell erinnert, denn mit ausgezogenen Mittelsäule ist das Stativ nicht sehr stabil und verwackelte Bilder sind bei längeren Belichtungszeiten und/oder Brennweiten sehr wahrscheinlich. Daher habe ich mich entschlossen, das Vanguard VEO 2 265CB nur noch mit der kurzen Mittelsäule zu verwenden, die nicht ausgezogen werden kann. Das reduziert zwar die maximale Arbeitshöhe etwas, das Stativ wird dadurch aber stabiler und ein paar Gramm beim Gewicht spart man auch noch. Durch diesen kleinen Trick war ich mit der Stabilität des Stativs recht zufrieden, insbesondere, wenn man Preis und Gewicht des Vanguard VEO 2 265CB bedenkt. Bedingt durch den ungewöhnlichen Klappmechanismus der Mittelsäule ist diese nur dann ausreichend fixiert, wenn man die dafür gedachte Feststellschraube extrem fest anzieht. Jedes mal, wenn ich das mache, befürchte ich, sie abzubrechen. Zum Glück ist das aber bisher nicht passiert. Sobald man aber die Mittelsäule auszieht, erhält man nach meiner Meinung jedoch keine ausreichende Stabilität mehr für die o. g. Kamera-Objektiv-Kombination.

Die Achillesverse des Stativs: das C-förmige Mittelstück bietet der Mittelsäule nicht genügend HaltKarl H. Warkentin | STATIV LEXIKON
Die Achillesverse des Stativs: das C-förmige Mittelstück bietet der Mittelsäule nicht genügend Halt

 


Fazit

Wer wie ich auf einige Zentimeter Arbeitshöhe verzichten kann und die Mittelsäule nicht auszieht, bekommt für Kameras mit Objektiv bis zu einem Gesamtgewicht von ca. 2 kg ein sehr preiswertes und gleichzeitig sehr leichtes Reisestativ aus Carbon, das ausreichend stabil ist, wenn es nicht windig ist und man alle Fixierschrauben sehr fest anzieht. Mit leichteren und kleineren Kameras werden die Bedingungen eher noch besser sein.

Abraten würde ich allen Anwendern, die schwere Kameras und/oder lange Brennweiten verwenden wollen oder auch bei starkem Wind ein stabiles Stativ suchen, auf dem die Kamera „bombenfest“ montiert ist.

Wer jedoch nur eine kleine, leichte Kamera, wie die OM-D E-M10 von Olympus auf dem Vanguard VEO 2 265CB benutzen möchte, ist mit dem Stativ recht gut bedient.

Der Klappmechanismus der Mittelsäule ist zwar innovativ, so daß man das Stativ recht schnell aufbauen kann, er bewährt sich aber in der Praxis auf Grund der mangelnden Stabilität nicht.

+ Positiv

  • Sehr klein
  • Sehr leicht
  • Gepolstertes Stativbein
  • Guter Lieferumfang
  • Gute Verarbeitung

Negativ

  • Mit ausgezogener Mittelsäule nicht sehr stabil
  • Klappmechanismus der Mittelsäule nicht sehr stabil
  • Libelle schlecht sichtbar, wenn Kamera montiert ist
Vanguard VEO2 265CB Stativ mit kleiner SystemkameraKarl H. Warkentin | STATIV LEXIKON
Mit einer kleinen, leichten Systemkamera wie der Olympus OM-D E-M10 kann man auch die Mittelsäule ganz ausziehen und hat ein stabiles Stativ, wenn es nicht zu windig ist.

 


Technische Daten

BezeichnungMaterialBesonderesSeg.Höhe
min.
Höhe
max.
Transp.
Länge
Gew.Tragk.
VEO 2 265CB
Vanguard Dreibeinstativ Veo 2 265CB schwarz
CarbonMit Kugelkopf VEO2 BH-50
Mit Libelle
Mit Stativtasche
518,5 cm150,0 cm41,5 cm1,32 kg5,00 kg

 

Hinweis:
Das Stativ habe ich auf Anfrage von der Firma Vanguard für den Test kostenfrei als Leihstellung erhalten.